Auf dieser Seite findest du zwei vollständige Beispieltexte – Absatz für Absatz nach den telc-Bewertungsrichtlinien annotiert. Plus: die sechs Fehler, die bei C1 am meisten Punkte kosten, und die zwei Kriterien, die sich nicht ausgleichen lassen.
Zwei vollständige C1-Beispieltexte, annotiert nach allen vier Bewertungskriterien
Die Bewertungslogik im Klartext: was ausgleichbar ist und was nicht
Die Korrekturzeichen, mit denen Prüfende deinen Text markieren
telc C1 Schreiben ist der Prüfungsteil, in dem sich der Abstand zu B2 am deutlichsten zeigt. Statt eines Anlass-Schreibens verlangt die Aufgabe einen argumentativen Text von etwa 350 Wörtern: Du wählst eines von mehreren Themen, führst Argumente an, legst Vor- und Nachteile dar und begründest am Schluss deine eigene Position. Diese Seite zeigt dir an zwei vollständig annotierten Texten, wie die vier Bewertungskriterien konkret angewendet werden – und an welchen zwei Stellen ein schwacher Absatz nicht mehr auszugleichen ist.
Vier Kriterien, jedes unabhängig von A bis D eingestuft – farbig markiert in den Beispieltexten unten
Deckt der Text die Aufgabe inhaltlich voll ab, trägt er einen erkennbaren roten Faden, und setzt er sich kritisch mit dem Thema auseinander? Textsorte, Adressatenbezug und Makrostruktur aus Einleitung, Hauptteil und Schluss gehören dazu. Dieses Kriterium betrifft den Text als Ganzes - einzelne gelungene Passagen können ein Defizit hier nicht ausgleichen.
Morphologie und Syntax werden zuerst bewertet, danach erst wirkt sich die Orthographie auf die Stufe aus. Auf C1-Niveau sind sehr wenige Fehler erwartbar; einzelne Fehler in komplexen Satzkonstruktionen sind tolerierbar. Durchgängige Groß- oder Kleinschreibung und sehr viele Rechtschreibfehler führen zur Abwertung um eine ganze Stufe.
Ist der Wortschatz präzise, umfangreich und angemessen? Wird abwechslungsreich formuliert, stehen komplexere Satzformen zur Verfügung, wo sie passen? Sowohl falsche Wortwahl als auch zu einfache Wörter zählen als Fehlgriff. Einzelne Fehlgriffe lassen sich durch ansonsten treffenden Wortschatz ausgleichen.
Hier zählt die Ebene unterhalb der Gliederung: die Anschlüsse innerhalb der einzelnen Absätze. Bewertet wird die Vielfalt der Verknüpfungsmittel - Substitution, Pro-Formen, Ellipse, explizite Konnektive, Tempus- und Artikelgebrauch. Jeder Bruch in der Textlogik beschädigt den Text; ein Ausgleich ist auch hier nicht möglich.
Wie dieser Teil in die Gesamtprüfung eingeordnet ist, zeigt die Übersicht der telc C1 Prüfungsteile.
In der telc C1 Prüfung wählst du eine Aufgabe aus mehreren Themen. Wir zeigen dir zwei ausgearbeitete Texte aus verschiedenen Themenfeldern. Die farbigen Markierungen zeigen, welcher Absatz welches Bewertungskriterium besonders gut bedient.
Ihre Wochenzeitung ruft die Leserinnen und Leser regelmäßig auf, sich kritisch mit einem aktuellen Thema auseinanderzusetzen und ihre Meinung dazu darzulegen. Die Frage der Woche lautet diesmal: Sollte in Deutschland eine allgemeine Wahlpflicht eingeführt werden?
Für eine Wahlpflicht spricht zunächst ein handfestes Repräsentationsargument. Die Beteiligung ist keineswegs gleichmäßig verteilt: Wer über wenig Einkommen und formale Bildung verfügt, bleibt der Urne überdurchschnittlich häufig fern. Parlamente bilden dadurch nicht die Gesellschaft insgesamt ab, sondern jenen Teil von ihr, der ohnehin Gehör findet. Eine Pflicht zur Stimmabgabe würde diese Verzerrung zumindest abschwächen.
Darüber hinaus lässt sich anführen, dass Wahlen kein privates Vergnügen sind, sondern eine kollektive Entscheidung über Regeln, die für alle gelten. Wer sich ihr entzieht, überlässt sie anderen. Andererseits folgt daraus keine Rechtspflicht: Auch das Schweigen ist in einer freien Gesellschaft eine politische Aussage, und ein erzwungenes Kreuz sagt über die Zustimmung zum System wenig aus. Das Argument verschiebt die Frage damit lediglich: Es begründet eine moralische Erwartung, nicht einen staatlichen Zwang.
Schwerer wiegt ein praktischer Einwand. Die Erfahrung von Ländern mit Wahlpflicht zeigt, dass zwar die Beteiligungsquote steigt, die Zahl ungültiger und willkürlich abgegebener Stimmen jedoch ebenfalls. Gewonnen wäre damit eine Statistik, nicht eine besser informierte Wählerschaft. Wer politische Entfremdung mit einer Ordnungswidrigkeit beantwortet, kuriert das Symptom und lässt die Ursache unberührt.
Hinzu kommt, dass eine Wahlpflicht sanktionsbewehrt sein müsste, um überhaupt zu wirken. Wollte man sie durchsetzen, wären Bußgelder gegen Menschen zu verhängen, deren Fernbleiben häufig selbst Ausdruck von Enttäuschung über die Politik ist. Es ist schwer vorstellbar, dass ausgerechnet auf diesem Weg das Vertrauen entstünde, das man zurückgewinnen möchte. Bußgelder träfen überdies am härtesten jene, die sich eine Strafe am wenigsten leisten können.
Abwägend halte ich die Wahlpflicht deshalb für das falsche Mittel bei richtiger Diagnose. Das Problem ist real, doch beheben lässt es sich nicht per Gesetz, sondern nur dort, wo es entsteht: in der politischen Bildung, in gut erreichbaren Wahllokalen und in Parteien, die auch jenseits der Wahlkampfwochen zuhören. Demokratie lebt von Überzeugung; wo diese fehlt, hilft kein Zwang.
An der Schule Ihrer Kinder wird gerade diskutiert, ob Hausaufgaben in der heutigen Form noch zeitgemäß sind. Die Schulleitung bittet Eltern, in der nächsten Ausgabe der Schulzeitung Stellung zu beziehen: Sollten Hausaufgaben in der Schule abgeschafft werden?
Dass Hausaufgaben Ungleichheit verstärken, lässt sich schwer bestreiten. Wer zu Hause einen ruhigen Schreibtisch, einen zweiten Blick auf die Rechnung und notfalls bezahlte Nachhilfe hat, erledigt dieselbe Aufgabe unter völlig anderen Bedingungen als ein Kind, das nebenher auf jüngere Geschwister aufpasst. Bewertet wird am Ende nicht allein die Leistung des Kindes, sondern auch die Ausstattung seines Elternhauses. Die Aufgabe misst dann weniger den Lernstand als die häuslichen Voraussetzungen.
Daraus folgt jedoch nicht, dass Üben zu Hause verzichtbar wäre. Wer je eine Fremdsprache gelernt hat, weiß, dass Vokabeln nicht im Unterricht haften bleiben, sondern in der Wiederholung danach. Diese Wiederholung braucht Zeit, die der Stundenplan in seiner heutigen Form nicht hergibt. Streicht man sie, verschwindet nicht die Ungleichheit, sondern lediglich ihre Sichtbarkeit.
Der eigentliche Streitpunkt ist deshalb nicht das Ob, sondern das Wie. Aufgaben, die ohne häusliche Unterstützung lösbar sind, die kurz gehalten und nicht benotet werden, erfüllen ihren Zweck als Übung, ohne zum Selektionsinstrument zu werden. Eine verlässlich betreute Lernzeit am Nachmittag verlagert den Schreibtisch überdies dorthin, wo alle Kinder denselben vorfinden. Wer die Schule verlässt, hat die Übung dann bereits hinter sich.
Würde man Hausaufgaben dagegen ersatzlos streichen, träfe das vermutlich diejenigen am härtesten, denen man eigentlich helfen wollte: Familien, die zusätzliche Übung nicht privat einkaufen können. Was als Maßnahme für mehr Gerechtigkeit gedacht ist, könnte sich auf diese Weise in sein Gegenteil verkehren - ein Risiko, das in der Debatte selten benannt wird.
Ich plädiere deshalb dafür, die Hausaufgabe nicht abzuschaffen, sondern ihr die Rolle zu nehmen, die sie nie hätte übernehmen dürfen: die eines heimlichen Leistungsnachweises. Kurze, selbsterklärende Übungen, verlässlich betreute Lernzeiten und der Verzicht auf Benotung wären ein Kompromiss, mit dem beide Seiten dieser Debatte gut leben könnten. Ein solcher Weg verlangt den Lehrkräften Umstellung ab, den Familien aber deutlich weniger Nerven.
Warum: Die Aufgabe verlangt ausdrücklich, am Schluss die eigene Position zu begründen. Fehlt sie, ist die Aufgabe inhaltlich nicht voll abgedeckt - und Aufgabengerechtheit lässt sich nicht durch gute Sprache an anderer Stelle ausgleichen.
Warum: Die beiden Aussagen in der Aufgabe sind Ideengeber, keine Textbausteine. Wer sie nur umformuliert aneinanderreiht, zeigt keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch das schlägt auf die Aufgabengerechtheit durch.
Warum: Die Kommunikative Gestaltung bewertet genau diese Ebene: die Anschlüsse innerhalb eines Absatzes. Jeder Bruch beschädigt den Text, und ein Ausgleich durch eine starke erste Texthälfte ist bei diesem Kriterium ausgeschlossen.
Warum: Bewertet wird die Vielfalt der Verknüpfungsmittel: explizite Konnektive, Pro-Formen, Substitution, Ellipse, Tempus- und Artikelgebrauch. Wer nur „und" und „aber" einsetzt, bleibt sichtbar unter dem Zielniveau.
Warum: Beim Repertoire zählen falsche Wortwahl und zu einfache Wörter gleichermaßen als Fehlgriff, ebenso ein zu umgangssprachlicher Stil. Einzelne Ausrutscher lassen sich durch ansonsten treffenden Wortschatz ausgleichen - ein durchgängig einfacher Text nicht.
Warum: Bei der Korrektheit werden zuerst Morphologie und Syntax bewertet, erst danach wirkt sich die Orthographie aus. Durchgängige Groß- oder Kleinschreibung und sehr viele Rechtschreibfehler führen jedoch zur Abwertung um eine ganze Stufe - unabhängig davon, wie gut die Grammatik ist.
Am linken Rand steht die Gliederung: E für die Einleitung, Ü für einen Übergang, 1, 2, 3 für die einzelnen Punkte der Argumentation und S für den Schluss. Am rechten Rand stehen die Befunde: + für eine gelungene Passage, K für Kohärenz und Textlogik, Syn für Syntax, G für Grammatik, WS für Wortschatz, R für Register und T für „Thema verfehlt“. Ein Fragezeichen mitten im Text markiert eine inhaltlich unklare oder widersprüchliche Stelle. Wer diese Zeichen kennt, kann eine korrigierte Übungsarbeit deutlich gezielter auswerten – und sieht auf einen Blick, ob die Kritik den Inhalt oder die Sprache betrifft.
Etwa 350 Wörter. Deutlich kürzere Texte gelten als nicht vollständig bearbeitet, deutlich längere kosten dich Zeit, die du für die Überarbeitung brauchst. Plane die Länge über die Absätze: eine Einleitung, drei bis vier Argumentationsschritte, ein begründeter Schluss.
70 Minuten. Das klingt großzügig, ist es aber nicht: Themenwahl und Gliederung kosten die ersten zehn Minuten, und die letzten fünf solltest du für das Gegenlesen reservieren. Bleiben rund 55 Minuten für den eigentlichen Text.
48 Punkte, das sind 22,5 Prozent der Gesamtprüfung – genauso viel wie Lesen, Hören oder der mündliche Teil. Wie sich die Punkte über alle Prüfungsteile verteilen, zeigt die Übersicht der telc C1 Prüfungsteile.
Aufgabengerechtheit, Korrektheit, Repertoire und Kommunikative Gestaltung. Jedes Kriterium wird unabhängig von den anderen auf einer vierstufigen Skala von A bis D eingestuft. A bedeutet, dass der Text durchgängig dem Zielniveau C1 entspricht.
Aufgabengerechtheit und Kommunikative Gestaltung. Beide betreffen den Text als Ganzes: den roten Faden, die Abdeckung der Aufgabe und die Anschlüsse innerhalb der Absätze. Einzelne starke Passagen können ein Defizit hier nicht aufwiegen. Bei Korrektheit und Repertoire ist ein Ausgleich dagegen möglich, wenn die gelungenen Stellen wirklich überwiegen.
Wenn sich der Text nicht auf die Aufgabenstellung bezieht, wird „Thema verfehlt“ markiert – und dann werden alle vier Kriterien mit D bewertet. Deshalb lohnt es sich, vor dem Schreiben zwei Minuten zu investieren und die Fragestellung wörtlich zu notieren.
Die Textsorte wechselt: Bei B2 schreibst du ein Anlass-Schreiben von etwa 150 Wörtern mit vier vorgegebenen Leitpunkten, bei C1 einen argumentativen Text von rund 350 Wörtern, in dem du eine eigene Position entwickelst und begründest. Wie der B2-Schreibteil im Detail funktioniert, zeigt die Seite zum telc B2 Schreiben.
Gesellschaftliche und politische Fragen, Bildung und Erziehung, Arbeit und Wirtschaft, Umwelt, Medien und Digitalisierung, Gesundheit. Vorausgesetzt wird kein Fachwissen, sondern die Fähigkeit, zu einem allgemein zugänglichen Thema begründet Stellung zu nehmen.
Zwei Beispieltexte zeigen dir das Ziel. Den Weg dorthin gehst du am besten schreibend – mit Rückmeldung entlang derselben vier Kriterien.